Das Tauchen in der Tiputa-Passage bei Rangiroa (Französisch-Polynesien) ist ein legendäres Erlebnis, das oft als eines der schönsten pelagischen Spektakel der Welt beschrieben wird. Das absolute Highlight ist hier das Strömungstauchen bei einströmender Strömung, dort, wo der Ozean mit voller Wucht in die Lagune strömt.
Hier ist der mitreißende Bericht über dieses außergewöhnliche Erlebnis.
Der große Sprung ins Blaue (L'Éolienne)
Alles beginnt auf dem Festrumpfschlauchboot. Während wir uns dem Eingang der Meerenge nähern, beobachten wir die beeindruckenden Wellen, die von der Strömung gebildet werden. Die Einweisung des Tauchlehrers ist klar: Der Einstieg erfolgt durch ein gleichzeitiges „Heckkippen“, gefolgt von einem schnellen Abstieg ins Blaue, um nicht an der Oberfläche mitgerissen zu werden.
Du schwimmst mit den Flossen in die Tiefe, stabilisiert auf einer Tiefe von etwa 25 bis 30 Metern. Die Sicht ist kristallklar, wie es für Ozeanwasser typisch ist, und bietet einen unendlichen Ausblick. Hier, in der blauen Weite, tauchen die ersten Einheimischen auf: die Großen Tümmler (Tursiops truncatus) von Tiputa. Sie sind verspielt und an Taucher gewöhnt und schwimmen regelmäßig nur wenige Meter von dir entfernt, lassen sich von der Strömung treiben, um dich zu beobachten oder um Interaktion zu bitten.
L'Angle und die „Haifischwand“
Die Strömung treibt dich nun in Richtung des Einlasses der Meerenge. Du erreichst einen strategisch wichtigen Bereich namens „L’Angle“. Hier versammeln sich die Raubfische, der Strömung entgegen, um zu jagen.
Wenn du den Blick zum Grund der Meerenge hebst (die bis auf 45–50 Meter abfällt), erlebst du den Höhepunkt des Spektakels: die berühmte Haifischwand. Dutzende, manchmal sogar Hunderte von Grauen Riffhaien schwimmen scheinbar mühelos in der Strömung. Inmitten dieses beeindruckenden Balletts begegnest du riesigen Hundszahn-Thunfischen, kompakten Barrakuda-Schwärmen, die einen silbernen Wirbel bilden, und majestätischen, neugierigen Napoleonfischen.
(Je nach Jahreszeit, insbesondere von November bis März, treibt sich in diesen Tiefen auch der Große Hammerhai herum, angezogen von den Schwärmen der Leopardenrochen).
Der große „Flug“ und der Schutz der Canyons
Die Strömung wird deutlich stärker. Du gelangst in die eigentliche Meerenge. Jetzt ist es an der Zeit, den „Motor“ deiner Flossen auszuschalten, die Arme zu verschränken und das pure Gefühl des Unterwasserfliegens zu genießen. Die Landschaft zieht in rasendem Tempo an dir vorbei.
Um wieder zu Atem zu kommen oder die Unterwasserwelt zu beobachten, führt dich der Guide zu den Canyons. Diese natürlichen Felsspalten durchziehen den Grund der Meerenge und bieten perfekten Schutz vor der Strömung:
- In den Canyons: Dort halten wir einen Moment inne, um gemütlich vor sich hin schwimmende Meeresschildkröten, riesige Muränen und dichte Schwärme von Kutscherfischen oder Doktorfischen zu bewundern.
- Der „Decrochage“: Auf ein Signal des Guides hin verlässt du die Schlucht, um dich erneut von der Strömung zur nächsten Schlucht treiben zu lassen. Ein extrem adrenalinreicher Rutsch.
Zurück zur Ruhe auf Motu Nuhi Nuhi
Je weiter du ins Innere des Atolls vordringst, desto schwächer wird die Strömung. Die Farbe des Wassers verändert sich subtil, vom tiefen Blau des Ozeans hin zum milchigen Türkis der Lagune.
Der Tauchgang endet sanft rund um die kleine Insel Nuhi Nuhi, die oft als „das Aquarium“ bezeichnet wird. Der Sicherheitsstopp findet über einem Korallengarten statt, der von einer Vielzahl kleiner, bunter tropischer Fische wimmelt. Weißspitzenhaie schlummern friedlich auf den weißen Sandbänken. Du tauchst mit weit aufgerissenen Augen an die Oberfläche, nachdem du einen der wildesten und unvergesslichsten Strömungstauchgänge deines Taucherlebens erlebt hast